Oberfranken: wasserarm und wasserreich

In Südbayern fallen jährlich im Schnitt 1.030 Millimeter Niederschlag – in den Alpen können es sogar über 2.000 Millimeter werden. In manchen Bereichen des Maintals dagegen kommen im Schnitt gerade mal 600 Millimeter pro Jahr zusammen. In den Höhen von Frankenwald und Fichtelgebirge können dagegen bis zu 1.300 Millimeter Niederschlag im Jahr fallen.

Der Nachschub für das Grundwasser hängt  auch noch vom Untergrund ab. In die Festgesteine der Mittelgebirge versickert weniger Niederschlag als in die Karsthohlräume der Fränischen Schweiz. Das prägt auch unsere Landschaft. In den Mittelgebirgen gibt es ein dichtes Gewässernetz, in der Fränkischen Schweiz nur wenige, meist größere Gewässer.

Trinkwasser aus Grundwasser

In Oberfranken wie in ganz Bayern wird der größte Teil des Trinkwassers aus Grundwasser aus Brunnen und Quellen gewonnen. Grundwasser fließt im Verborgenen – dort, wo das Wasser nicht weiter versickert, sondern sich sammelt und Hohlräume ausfüllt. Grundwasser gibt es zwar überall – es kommt aber auf das Gestein und das Relief an, in welcher Tiefe, in welcher Menge und in welcher Qualität es fließt.

Grundwasser ist „der Fingerabdruck“ einer Region: Seine natürlichen Inhaltsstoffe wie der Gehalt an Calcium und Magnesium spiegeln die Zusammensetzung des geologischen Untergrundes wider und sind das Ergebnis einer Wechselwirkung zwischen Gestein und Grundwasser. Intakte Böden und Gestein reichern das Wasser nicht nur mit Stoffen an, sie funktionieren auch wie ein Immunsystem für den Grundwasserkörper, halten Schadstoffe zurück und speichern das Wasser in der Tiefe.

Grundwasser braucht Niederschläge

Grundwasser entsteht, wenn Wasser im Boden versickert. Regen, Tau oder Schnee erneuern auf diese Weise ständig die unterirdischen Wasservorräte. Allerdings gelangt nur ein geringer Teil der Niederschläge in den Boden. Von 100 Litern Regen wird über die Hälfte von Pflanzen „ausgeatmet“ oder verdunstet an der Bodenoberfläche.

Nur 13 Liter sickern ins Grundwasser und speisen so unsere Trinkwasservorräte. Der Rest fließt ab – über Rinnsale oder Gräben an der Oberfläche, über die Kanalisation oder aber auch über oberflächennahe Bodenschichten direkt in die Bäche und Flüsse.

In Oberfranken fallen in manchen Orten weniger als 600 Millimeter Niederschlag im Jahr und gehören damit zu den wasserarmen Regionen in Bayern. In den regenreichsten Gebieten Oberfrankens, im Frankenwald und im Fichtelgebirge, regnet es 950 bis 1.300 Millimeter pro Jahr. In Südbayern fallen jährlich durchschnittlich 1.030 Millimeter Niederschlag – in den Alpen können es sogar über 2.000 Millimeter werden.

Untergrund in Oberfranken: gute und schlechte Speicher – gute und schwache Filter

In Oberfranken sind der Boden und das Gestein in manchen Bereichen so beschaffen, das nur wenig Wasser im Untergrund gespeichert werden kann. Andere Bereiche zeigen große Wasserreservoirs.

Wenn Regenwasser im Boden versickert, wird es mechanisch und biologisch gefiltert. Einerseits bleiben Stoffe an Bodenpartikeln hängen, andererseits bauen Mikroorganismen in den belebten Bodenschichten organische Verunreinigungen ab. Die Filterwirkung ist umso besser, je feinkörniger und dichter die Bodenschichten sind. Sind die schützenden Deckschichten nur dünn, so können Verschmutzungen, zum Beispiel aus Düngemittel oder auch Keime leicht ins Grundwasser gelangen.

Grundwasser in Oberfranken – Sicherung des Dargebots

Rund 81 Millionen Kubikmeter Grundwasser sind für die Trinkwasserversorgung Oberfrankens in einem durschnittlichen Jahr notwendig. Diese Menge, auch in guter Qualität, nachhaltig zu sichern, ist die Herausforderung für die staatliche Wasserwirtschaftsverwaltung und die Wasserversorgungsunternehmen. Durch den Klimawandel kann sich die Situation noch verschärfen. Modellrechnungen gehen von einem Rückgang der Grundwasserneubildung um 5 Prozent bis zum Jahr 2012 und um 10 Prozent bis zum Jahr 2020 aus.

Zudem zeigen sich weitere Herausforderungen:

  • Verbrauchsrückgang durch Bevölkerungsentwicklung. In Oberfranken haben wir eine überwiegend rückläufige Bevölkerungsentwicklung. Diese Entwicklung betrifft vor allem ländlich Gegenden, in denen die Wasserversorgung schon jetzt sehr aufwändig sein kann.
  • Verbrauchszunahmen in Teilbereichen. Dem Bevölkerungsrückgang steht ein Konzentrationstendenz der Bevölkerung in den Städten entgegen, der in den nächsten Jahren noch zunehmen wird
  • Verluste durch sanierungsbedürftige Leitungen in Orten. Die Wasserverluste in Oberfranken belaufen sich nach Angaben der Wasserversorgungsunternehmen jährlich auf circa 9,8 Millionen Kubikmeter Wasser. Dies entspricht rund 12 Prozent des jährlich verbrauchten Trinkwassers.

Sicherung der Qualität

Wir haben in Oberfranken eher ein qualitatives Problem als ein quantitatives Problem.

  • 50 Milligramm Nitrat pro Liter lässt die Trinkwasserverordnung zu. In Oberfranken wird dieser Wert überall unterschritten, bei circa 5 Prozent liegt der Wert zwischen 25-50 Milligramm pro Liter und gilt als Risikopotenzial.
  • Rund 2 Prozent des Rohwassers ist zu stark mit Pflanzenschutzmittel belastet.
  • Bakterien stellen mit rund 7 Prozent des Rohwassers die größte Gefahr dar.

Durch Verdünnung oder Aufbereitung entsteht gesundheitlich unbedenkliches Trinkwasser. Bei Verkeimung und Bakterienbelastung wird desinfiziert. Bei längeren Fließwegen im Netz wird auch vorsorglich gechlort.

Trinkwassertalsperre Mauthaus

Mitte der 1960er Jahre wurden in der Region Oberfranken Engpässe bei der Versorgung mit Trinkwasser erwartet. Die Gemeinden selbst hätten die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung nicht im Alleingang sicherstellen können. Landkreise und kreisfreie Städte schlossen sich deshalb am 20. Juni 1966 zum Zweckverband Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) zusammen.

Der wichtigste Schritt zur Lösung des Engpasses war der Bau Bayerns erster Trinkwassertalsperre im Ködeltal bei Mauthaus im Frankenwald von 1968 bis 1972. Bauherr war die staatliche Wasserwirtschaftsverwaltung, die damit einen wesentlichen Beitrag zur Daseinsvorsorge und weiteren Entwicklung in Oberfranken geleistet hat. Die Talsperre wird heute vom Wasserwirtschaftsamt Kronach betrieben.

Bessere Voraussetzungen für schadstoffarmes Wasser als hier kann es kaum geben: Das fast 40 Quadratkilometer große Gebiet rund ums Ködeltal ist zu 80 Prozent bewaldet und die übrigen 20 Prozent werden nur extensiv bewirtschaftet.

Das Rohwasser des Stausees bekommt denn auch bei den regelmäßigen Analysen Bestnoten und muss nur eine physikalisch-chemische Aufbereitung und Entkeimung durchlaufen, wie sie für Oberflächenwasser obligatorisch sind. Die dafür zuständige Trinkwasseraufbereitungsanlage (TWA) der FWO in Rieblich zählt übrigens zu den modernsten Anlagen Deutschlands.

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